Web 2.0 im Fremdsprachenunterricht – eine Rezension

Daß das Web 2.0 im Fremdsprachenunterricht längst angekommen ist, pfeifen alle Spatzen von den Dächern. Es waren in der Tat die Sprachler, die die Möglichkeiten der Web 2.0 Anwendungen von Animoto über Voicethread bis Smartphone als mobiles Lernwerkzeug als Early Adopters längst im Unterricht anwandten, bevor das ein großes Buzz Thema wurde. Umso schöner, viele dieser Early Adopters jetzt mit ihren Best Practice Beispielen durch die Initiative von Jürgen Wagner und Verena Heckmann unter einem Buchdeckel vereint in den Händen zu halten.

Und da bin ich gleich beim Wermutstropfen: Ein langweiliger grün-in grün Umschlag – soll das die Hoffnung des Verlags symbolisieren??? – der mit dem Inhalt in krassem Gegensatz steht! Ein Buch, das solch frische Inhalte präsentiert, hat einen frischen Umschlag verdient- das sieht nach Uraltmethoden aus und wenn man nicht die Autoren kennt, wird man an diesem Buch bestimmt nicht hängen bleiben. Web 2.0 und langweiliges Layout … das geht garnicht. Aber das trifft leider auf alle Veröffentlichungen dieses Verlags zu, auch Thomas Strassers “Moodle im Fremdsprachenunterricht” und  Klaus Himpsl-Gutermann’s “E-Portfolios in der universitären Weiterbildung” müssen sich unter diesem nichtssagenden Cover verstecken – ein Jammer. Das Gegenbeispiel sind die Cover des PACKT Verlags, da hat man schon Lust, das Buch in die Hand zu nehmen. Man mag zwar sagen, das sind alles Oberflächlichkeiten und das Buch sei nicht zur Unterhaltung gedacht – aber wo steht denn geschrieben, dass Bildung langweilig und trocken sein muss?????

Jetzt aber zum Inhalt und da wird’s dann wirklich bunt (im übertragenen Sinn leider nur) und kurzweilig! Jürgen und Verena haben es geschafft, von Unterrichtenden aus der Praxis Anregungen zu erhalten, die nicht nur theoretisch vorgestellt werden, sondern deren didaktischer Nutzen für einen Spracherwerb, der auf Kommunikation zielt, auch an Praxisbeispielen aufgezeigt wird. Und was mir besonders gut gefällt: Es gibt auch Beiträge in Französisch, Spanisch, Englisch …. wo bleiben die Italiener?

Die Autoren haben sich aber nicht nur bereit erklärt, einen Beitrag für das Buch zu schreiben, sondern viele stellen in einer Veranstaltungsreihe von Online Vorträgen dann auch persönlich ihre Projekte vor. Ganz im Sinne des Mitmachweb….. selbstverständlcih auch mit Aufzeichnungen, die dann publiziert werden auf dem Server des Landesinstituts für Pädagogik Saarbrücken.

Alle Autoren sehen die Anwendungen als Werkzeuge, die ihren Sinn nur dann erfüllen, wenn sie in einem sinnvollen didaktischen Kontext zur Anwendung kommen und den Spracherwerb für die Lerner interessanter und realitätsnaher gestalten können und vor allem die Lerner zur Eigenproduktion animieren. Für Neulinge, die diese Tools noch nicht kennen, werden aber ausreichende technische Erläuterungen gegeben, so dass auch ein absoluter Web 2.0 Newbie nicht allein gelassen wird.

Das Buch wäre perfekt für eine Fortbildungsreihe auch innerhalb einer Schule geeignet – z.b. Pädagogischer Tag , wo dann einzelne Anwendungen in Kleingruppen gemeinsam ausprobiert werden können. Einen Pflichtplatz sollte der Band aber in den Lehrerseminaren und der Referendariatsausbildung haben, denn nur so kann eine nachhaltige Verbreitung dieser Methoden zum Sprachenlernen auch gewährleistet werden.

Ein weiterer dicker Wermutstropfen ist das Layout des Buches, Screenshots werden nur sehr sparsam und dann auch noch in schwarz-weiss eingesetzt. Wenn unser Ziel darin besteht, Web 2.0 Elemente als Vehikel eines neuen Lernens zu propagieren, dann aber bitte auch anschaulich.

Das Problem wäre einfach zu lösen, wenn die Bücher auch als eBooks erhältlich wären – auch hier verweise ich auf Packt Publishing. Die Nutzerfreundlcihkeit durch anklickbare Links steigt bei ebooks um das Vielfache. Und wenn man schon ein Buch zu Web 2.0 anbietet, dann doch bitte auch zeitgemäß. Wer hat schon Lust, die von den Verfassern eingestellten Links mit der Hand abzutippen???? Das schreibt auch Ulrike Montgomery in ihrem Beitrag auf S. 196: “  Warum sind in diesem Artikel keine Links angegeben?” und bietet dann die zeitgemässe Lösung mit einem QR Code für ihre Linkliste an… so geht das heutzutage! Leider ist im Druck das Scannen des QR codes dann wieder erfolglos …..

Alles in allem ein Buch, dem man große Verbreitung unter den Lehrenden und Lernenden wünschen kann und das auch Einsteigern in leicht nachvollziehbarer Weise die Vorteile dieser Web 2.0 Anwendungen nahe bringt und Lust zum Ausprobieren erweckt. Nur durch die Vernetzung der Herausgeber Jürgen und Verena war dieser Sammelband überhaupt zu realisieren und den beiden gebührt für ihr ständiges Engagement im Dienste einer zeitgemässen Bildung hier ganz herzlichen Dank!

Der Verlag muss in Punkto web 2.0 und neue Medien allerdings noch seine Hausaufgaben machen.