Über den Tellerrand – Gastbeitrag aus England

Diese Woche erreichte mich per eMail als Reaktion auf meinen Blogbeitrag zur MoodleMoot ein Angebot von Adrien Hoepner von Webanywhere , einen Gastbeitrag für meinen Blog zu schreiben zu den Erfahrungen bezüglich der weitflächigen Nutzung von Mahara E-Portfolios in Großbritannien. Das habe ich gerne angenommen, zumal in den angelsächsischen Ländern ePortfolios schon lange fester Bestandteil von Lernszenarien sind.

Hier also der Beitrag von Adrien:

Nachdem Sigi den Beitrag “In the Mood for Mahara at the Moot and on the Move …“ gepostet hat, dachten wir es wäre doch mal interessant über die Landesgrenzen hinauszuschauen und etwas mehr darüber zu erfahren, wie andere Länder E-Portfolios nutzen und was die Vorteile sind. Zum Glück bewegt sich endlich etwas in Deutschland in Bezug auf digitale Technologien in Schulen, denn andere Länder sind bereits Meilen weit voraus. Während bei uns in Deutschland Schritt für Schritt immer mehr Projekte, wohlgemerkt individuelle Projekte, entstehen, sind digitale Technologien wie E-Portfolios in den Klassenzimmern anderer Länder bereits Normalität. So zum Beispiel in Großbritannien.

Mahara meist genutzte E-Portfolio Plattform

Mahara ist weltweit die meist genutzte E-Portfolio Plattform, so auch in Großbritannien. Die Vorzüge von dieser Plattform hat Sigi in der Präsentation in ihrem Beitrag bereits sehr schön zusammengefasst. Aber wie ist es, wenn nicht nur einzelne Projekte damit arbeiten, sondern ganze Schulen? In Großbritannien verwenden die Schüler es bereits in der Grundschule. Natürlich nicht jede einzelne Schule im Land, aber durchaus der größte Teil.

E-Portfolio in der Grundschule

Dass Schüler ein E-Portfolio bereits in der Grundschule verwenden, hat eine Anzahl von Vorteilen. Zunächst steht der richtige Umgang mit Technologie im Vordergrund. Damit ist nicht einfach die Bedienung gemeint, denn die ist für Kinder meist gar kein Problem, sondern viel mehr, wofür bestimmte Technologien genutzt werden und wie sie organisiert werden müssen. Kindern wird von Anfang an beigebracht, dass sie Ordner und Hefte anlegen müssen, aber wie sie ihre Arbeit online organisieren müssen, wird ihnen in der Schule nicht beigebracht. Ein E-Portfolio muss auch strukturiert werden und Informationen oder Gelerntes kann nicht einfach irgendwo dazugefügt werden (kann schon, aber dann wird es schwierig etwas wiederzufinden). D.h., die Kinder in Großbritannien lernen von Anfang an, wie sie Arbeit online strukturieren müssen, was ihnen im weiteren Verlauf ihrer Schullaufbahn (und im späteren Berufsleben) weiterhelfen wird.

Außerdem lernen die Schüler den richtigen Umgang mit einem sozialen Netzwerk. Die Funktionen in einem E-Portfolio sind anderen sozialen Netzwerken sehr ähnlich, mit dem bedeutenden Unterschied, dass es in einem sicheren und kontrollierten Bereich stattfindet. Das bedeutet nicht, dass kein Kind oder Jugendlicher einen Fehler macht, aber schwerwiegende Fehler werden auf ein Minimum reduziert. Auch an diese Sachen müssen Kinder erst herangeführt werden.

E-Portfolios für ältere Schüler

Für Grundschüler ist es eher ein Spaß, da sie bestimmte Dinge wie eigene Zeichnungen hochladen können. Weiterführende Schulen in Großbritannien verwenden E-Portfolios jedoch, um bestimmte Arbeiten und Projekte zu dokumentieren. So können die Schüler ihre Nachforschungen zu Referaten und Hausaufgaben speichern und haben diese immer abrufbar. Es hilft Schülern reflektierend zu lernen. Das bedeutet, dass die Schüler unkompliziert Zugang zu alten Arbeiten haben und ihr neu Erlerntes mit altem Wissen vergleichen können. Diese Form des Lernens ist eine der wirksamsten.

Schüler nutzen diese Plattformen nicht nur für individuellen Aufgaben, sondern auch für Gruppenprojekte. Die Kollaborationsfunktionen, wie gemeinsam zu bearbeitende Dokumente (ähnlich wie Google Docs) erlaubt es einer Gruppe zur gleichen Zeit an einem Dokument zu arbeiten und verschiedene Aspekte der Aufgabe zu diskutieren. Lehrer in Großbritannien haben Zugang zu den Profilen und Arbeiten der Schüler und können diese mithilfe von Rat- und Vorschlägen leiten.

Archiv der Schullaufbahn

Das E-Portfolio begleitet die Schüler ihre gesamte Schullaufbahn und bietet somit ein Archiv des Schullebens. Sogar nach der Schule kann das E-Portfolio in Großbritannien mitgenommen werden da es an die Person und nicht die Schule gebunden ist. Dieses Archiv kann im späteren Leben etwas sein, auf das man gerne zurückschaut, aber es wird häufig auch zur eigenen Karrierefindung verwendet. Schüler in den Abschlussjahrgängen gehen häufig durch ihr E-Portfolio und bekommen so eine Idee, was ihnen am meisten Spaß gemacht hat und in welche Richtung sie sich in der Zukunft orientieren sollten.

Wie verwenden es Lehrer?

Für die Lehrer in Großbritannien sind zwei Aspekte die wichtigsten, zum einen, dass sie ihre Schüler individueller betreuen können und zum anderen, dass sie wertvolle Informationen untereinander austauschen können. Lehrer stellen Schülern unterschiedliche Aufgaben und sind so in der Lage begabte und weniger begabte Kinder angemessen zu fördern. Lehrer verbinden sich und teilen die besten Lernressourcen miteinander. So sorgen sie dafür, dass die Qualität des Unterrichts verbessert wird.

Wie ein Portfolio genutzt wird, ist in Großbritannien nicht anders als in Deutschland. Der gravierende Unterschied besteht darin, dass Deutschland nur einzelne Projekte hat und Großbritannien diese Systeme flächendeckend einsetzt. Habt Ihr Erfahrungen mit E-Portfolios gemacht? Schreibt einen Kommentar und teilt uns mit, wie Ihr darüber denkt!

Webanywhere Limited

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