Neues Lernen in der #kreidezeit

Das Leben nach der Schule steckt voller Bildungsüberraschungen – und lässt für die Zukunft des Lernens hoffen! Am Donnerstag, 29.3.2012 war ich als Zuschauerin bei der neuen Aktion der Bildungsreporter eingeladen “Dossenheim zur Kreidezeit” an der freien Schule Lernzeiträume. Christian Spannagel,  @dunkelmunkel und Lutz Berger @lutzland ( die beiden muss man hier sicher nicht vorstellen…) hatten die erste Sendung vorbildlich durch Videos und Bildungsnachrichten vorbereitet und unter anderem auch die Schulleiterin Signe Brunner-Orawsky zu dem Modell der Lernzeiträume befragt.

Christian war natürlich wieder  schneller als ich und hat seine Eindrücke vom Abend in seinem Blog veröffentlicht.

Wenn man die Webseite der Schule besucht, fühlt man sich allerdings in die Anfänge der Internetauftritte zurückversetzt, das hat mich doch etwas überrascht und skeptisch gemacht, ob denn auch die mediale Gegenwart an dieser Schule zum Alltag gehört. Darüber muss man sich aber wohl nicht sorgen, wenn man die Wiki Seiten betrachtet, die unter der Betreuung von Christian Spannagel mit den Schülern hier entstehen, und auch Facebook wird als Medium durchaus nicht nur akzeptiert sondern auch genutzt.

Der erste Eindruck am Abend war dann die lockere und fast familiäre Atmosphäre im Gemeinschaftsraum (?) der Schule, wo Lutz und Christian für professionelle Studio Atmosphäre gesorgt hatten, selbstverständlich mit Verbindung zur Aussenwelt durch Live Streaming , Titanpad und Twitterwall (#kreidezeit) . Dies schien jedoch für einige Zuschauer schon eher als ungewöhnliches Setting wahrgenommen zu werden – wohlwollend wie ich denke ;-).

Für die bildungsreporter twitterte vor Ort @FrauFridur und moderierte die tweets und das titanpad.

Die Bildungsreporter hatten den ersten Abend der Kreidezeit unter das Motto “Einfalt in der Vielfalt?- Diversität und Inklusion” gestellt und als Gäste auf dem “Podium” waren eingeladen:

Da Lutz als perfekten Service bereits auf die entsprechenden Stellen in der Video-Aufzeichnung verlinkt hat, kann ich mir die Zusammenfassung der Thesen und der Diskussionen hier sparen.

Meine persönlichen Eindrücke und was ich von der Veranstaltung mitgenommen habe:

  • Es hat mich gefreut, dass an der PH in der Lehrerausbildung jetzt neue Wege beschritten werden und die gemeinsame Schulform in der Ausbildung bereits existiert.
  • Es hat mich besonders gefreut, dass immer wieder über die Frage der Einstellung zu Lehren und Lernen gesprochen wurde, meist als “Haltung” bezeichnet und hier der eigentliche Ansatzpunkt für eine Veränderung der Lernkultur gesehen wird- darüber bestand allgemeiner Konsens. Allerdings besteht auch die Notwendigkeit, dass diese Haltung und der Willen zur Veränderung von allen am Bildungsprozess Beteiligten mitgetragen und unterstützt werden muss, einschliesslich der Eltern aber auch schon in der Referendarausbildung. Die Studenten werden jetzt auch bereits am Anfang ihres Lehramtsstudiums auf die Eignung zum Lehrberuf getestet, was sicher einigen den Frust während der Refendarzeit erspart, aber auch für die späteren Schüler sicher segensreich ist.
  • Angesprochen wurde auch die Fehlerkultur, bei Lehrern fast schon eine “Deformation professionnelle” , bei Schülern statt nach Fortschritten nach Fehlern zu suchen – schön war das Beispiel mit dem Diktat! Auch hier herrschte – zumindest in der Runde und im twitterverse Einigkeit, das Pferd anders aufzuzäumen und auch selbst mit gutem Beispiel voranzugehen , nämlich auch mal Fehler riskieren und machen.
  • Gefreut hat mich aber auch die Spontaneität und der Enthusiasmus, gepaart mit Realismus, was machbar ist, von Tim Scholl, der an einer sicher nicht einfachen Schule unterrichtet und dabei offenbar Freude mit den Kindern hat. Er brachte wunderbar zum Ausdruck, wie wichtig eine vertrauensvolle und persönliche Beziehung zu den Kindern und Jugendlichen ist. Anstatt über mangelhafte Ausstattung oder zu große Klassen zu lamentieren, versucht er, in den gegebenen Parametern, gemeinsame und differenzierte Lernwege zu beschreiten. Es wäre ihm wirklich zu wünschen, dass ihm Assistenten zur Seite stehen, wie das von Frau Wellensieck als Lösung angedacht wurde.
  • Der Psychologe auf dem Sofa Helge Schweizer hat sicher recht, wenn er sagt, dass Kinder, die Probleme machen auch welche haben, aber in mir hat sich dann doch Widerspruch geregt, wenn er als Heilmittel vorschlägt, die Eltern immer in den Prozess mit einzubeziehen. An den LernZeitRäumen ist das sicher selbstverständlich, weil hier ein ganz besonderes  Engagement besteht. Das ist in vielen Schulen meist nicht der Fall – ich komme aus einer beruflichen Schule  und da haben sehr oft nicht nur die Schüler Probleme sondern auch die Eltern! Hier hätte ich mir etwas mehr Realismus gewünscht. Auch was die Bedürfnisse der Schüler betrifft, geht mir der Herr Schweizer etwas zu weit.(“Probleme entstehen daraus, dass indiv. Bedürfnisse nicht beachtet werden.”) In einem liberalen  Sozialisierungsprozess haben die Freiheiten des Einzelnen ihre Grenzen in den Freiheiten des anderen – das ist eine wichtige Aufgabe der Schule.
  • Signe Brunner-Orawsky als Schulleiterin konnte überzeugen, indem sie anschaulich darstellte, wie Lernprozesse von den Lernbegleitern nur angeschoben und begleitet werden und sich die Schüler in ihrem Lernverhalten weitgehend selbst organisieren, oft sogar über das angeforderte Maß hinaus. Dass das Modell des selbstorganisierten Lernens bei den Schülern, die von Anfang an dabei sind und “das Lernen noch nicht verlernt haben” besser funktioniert als bei Seiteneinsteigern aus Regelschulen, war sicher keine Überrschung und Signe Brunner machte auch klar, dass die Schule nur eine gewissen Anzahl dieser Seiteneinsteiger erfolgreich integrieren kann.
  • Martin Laidig, der auch für die musikalischen Intermezzos auf dem Klavier sorgte, machte als Vater zweier LernZeitRäume Kinder auch deutlich, dass  diese Schulart nicht für alle Schüler und Eltern passt, und dass es keine Wertung geben sollte, welches denn nun die richtige Schulform für die Zukunft ist – auch hier ein Plädoyer für Diversität.

Die Zeit mit den Bildungsreportern in den LernZeitRäumen verging wie im Flug – auch in twitter wurde das gesagt und es bleiben viele Fragen offen für die nächste Sendung am Donnerstag, 26. April 2012, 20 Uhr. Mich würde jetzt interessieren, wie in den LernZeitRäumen mit Medien, Internet und Tools umgegangen wird und ob dies in die Lernprozesse der Kinder als normale Ressourcen selbstverständlich integriert ist. Ich kann mir vorstellen, dass hier auch finanzielle Probleme bei der Ausstattung der Schule ein Hindernis sein könnten.

Danke nochmal an alle Beteiligten für die Arbeit und das Engagement! Ich bin gerne wieder dabei bzw verfolge die weiteren Aktivitäten.

2 Comments

  • Pingback: Dossenheim zur Kreidezeit: 1. Sendung ist online « Die Bildungsreporter

  • 3. April 2012 - 00:46 | Permalink

    Danke für diesen schönen und ausführlichen Beitrag! Das Thema “Medien und IT im Unterricht” wird sicher auch in einer Sitzung drankommen, allerdings noch nicht in der nächsten. Da wirds um die Lehramtsausbildung der Zukunft gehen!

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